Die unheimliche Stille

Hilf Insekten und baue Ihnen ein Hotel

subjektive Beobachtung, Einzelfälle?

Fast unbemerkt hat sich in der Natur etwas verändert. Während ich in den vergangenen Jahren bei uns auf dem Land eine Vielzahl an Singvögeln hörte, ist es in diesem Jahr ruhig geworden. Auch der Kuckuck, der sonst immer zu hören war, ist nicht mehr da. Außerdem wundere ich mich, warum meine Obstbäume, die ich vor Jahren pflanzte, in diesem Jahr kaum tragen. Eine weitere Beobachtung: meine Frontscheibe ist relativ sauber. Da ich viel unterwegs bin, war ich in früheren Jahren gewohnt meine Frontscheibe regelmäßig von Insektenleichen zu befreien. In diesem Jahr hält sich das in Grenzen. Zuerst hielt ich dies für subjektive Beobachtungen, Einzelfälle, die nichts miteinander zu tun haben.

Berichte über das Insektensterben

Während wir seit einigen Jahren immer wieder vom Bienensterben hören, war der Rückgang der Insekten kein Thema für die Presse. Vor kurzem wurde ich durch den vom NABU veröffentlichten Artikel über das dramatische Insektensterben auf das Thema aufmerksam.

Laut NABU ist in den letzten Jahren die Zahl der Fluginsekten drastisch zurückgegangen, in manchen Regionen Deutschlands um 80%. Ehrenamtliche Helfer hatten an insgesamt 88 Standorten in NRW seit 1989 Insekten gesammelt, ihre Arten bestimmt und die Menge gewogen. Während sie 1995 noch 1,6 Kilogramm aus den Untersuchungsfallen sammelten, sind sie heute froh, wenn sie auf 300 Gramm kommen.

Eine Ursache für das Insektensterben, Neonicotinoide

Die Ursachen hierfür sind, wie so oft, noch nicht wissenschaftlich erwiesen. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass - auch wenn Pharmaindustrie und Bauernverbände dies leugnen - der hohe Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zu einem nicht unbeträchtlichen Teil hier eine Rolle spielen.

Insbesondere sollen sogenannte Neonicotinoide (ein Nervengift, das zur Gruppe der Insektiziden gehört) hierbei eine bedeutende Rolle spielen. Hierbei handelt es sich um ein synthetisch hergestelltes Fraß- und Kontaktgift, welches die Weiterleitung von Nervenreizen verhindert. Dadurch kommt es zu einem Dauerreiz der Nerven, Krämpfen und schließlich zum Tod der Insekten. Die Wirkung von Neonicotinoide auf das Nervensystem bei Insekten ist weitaus stärker als bei Wirbeltieren.

Neonicotinoide sind in mehr als 120 Ländern zugelassen. Mit einem weltweiten Umsatz von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2008 machten sie 24% des weltweiten Marktes für Insektizide aus. Nach der Einführung der ersten Neonicotinoide in den 90er Jahren wuchs dieser Markt von 155 Millionen Euro im Jahr 1990 auf 957 Millionen Euro im Jahr 2008. Der Anteil der Neonicotinoide am gesamten Saatgutbehandlungsumsatz lag 2008 bei 80 %.

temporäres EU-Verbot einiger Neonicotinoide

Im Jahr 2013 veröffentlichte die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine von der Europäischen Kommission beauftragte Studie, die besagt, dass Neonicotinoide ein unannehmbar hohes Risiko für Bienen darstellen und dass die von der Industrie geförderte Wissenschaft, auf die sich die Behörden bei ihren Sicherheitsansprüchen verlassen haben, möglicherweise fehlerhaft ist und Datenlücken enthält, die bisher nicht berücksichtigt wurden.

Als Reaktion auf die Studie empfahl die Europäische Kommission eine EU-weite Beschränkung ihrer Verwendung. Am 29. April 2013 haben 15 der 27 EU-Mitgliedstaaten beschlossen, den Einsatz von drei Neonicotinoiden für zwei Jahre ab dem 1. Dezember 2013 zu beschränken. Acht Nationen stimmten gegen das Verbot, vier enthielten sich der Stimme.

2011 waren sieben Neonicotinoide-Wirkstoffe (Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin, Acetamiprid, Thiacloprid, Dinotefuran, Niteenpyram) von unterschiedlichen Herstellern (größter Marktanteil Bayer) auf dem Markt, die unter bis zu 20 verschiedenen Markenbezeichnungen vertrieben wurden. Das EU-Gesetz beschränkt die Verwendung von Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam für die Saatgutbehandlung, die Anwendung im Boden (Granulat) und die Behandlung von Blättern in für Bienen attraktiven Nutzpflanzen.

weitere Ursachen des Insektensterbens

Neocortinoide und andere Pestizide sind aber nicht das einzige Problem, mit denen es die Insekten heute zu tun haben. Der Verlust vieler kleinräumiger Strukturen mit abwechslungsreichem Bewuchs haben einen großen Einfluss auf Bestäuber und andere Insekten. In unseren aufgeräumten Kulturlandschaften haben sie wenig Alternativen, als sich auf Nutzpflanzen zu konzentrieren (die wiederrum meist mit Insektiziden behandelt sind).

Aber auch die Überdüngung, welche im Wesentlichen durch die Beseitigung von Tierfäkalien aus der Geflügel- und Schweinemast stammt, ist ein Problem. Die Stickstoff-Anreicherung in den Böden lässt die Pflanzenwelt weiter verarmen. Schnellwüchsige Pflanzen wie Gräser lassen keinen Platz mehr für Kräuter und Blühpflanzen, von denen sich viele Insekten ernähren können.

Sind nur die Landwirte schuld?

Die massive Zerstörung von Lebensraum findet nicht nur in der Landwirtschaft sondern auch in der Stadt statt. Städtische Gärtner zerstören Grünstreifen, deren Wildblüten den Hummeln wie Bienen Nahrung bieten. in Kiesgärten können sie sich nicht ernähren. Grundbesitzer zementieren Brachfläche zu, um dort Wohnungen zu bauen – oder Parkplätze oder Einkaufszentren. Und der ordentliche deutsche Garten bietet den Insekten wenig Nahrung, da statt Kräutern und Blüten der vorbildlich kurzgeschorene Rasen vorherrscht.

Insektensterben, na und?

Nun könnte man ja der Meinung sein, dass der Rückgang von Insekten nicht unbedingt schlimm sein. Sie sind jedoch Bestandteil eines komplexen Ökosystems und haben nicht nur eine Funktion als Bestäuber von Obstblüten, sondern dienen auch anderen Tieren als Nahrung.

Ein Verlust des Artenreichtums bei Insekten bedeutet auch einen Verlust für die Arten, die auf sie angewiesen sind. Zahlreiche Amphibien- und Vogelarten ernähren sich selber von Insekten oder benötigen diese für die Aufzucht ihrer Jungen. Insekten bilden ein wichtiges Bindeglied in der natürlichen Nahrungskette vieler anderer Tiere.

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So stellten Förster fest, dass beispielsweise der Bestand der Bestand an Rebhühnern in den vergangenen Jahren gebietsweise um bis zu 90% zurückgegangen ist. Der Insektenschwund führte dazu, dass frischgeschlüpfte Rebhuhnküken in vielen Gebieten mehr Energie für die Suche von Nahrung aufwenden müssen, als sie durch die noch vorhandenen Insekten decken könnten. Ihre Überlebenschancen sinken dadurch erheblich.

Für Singvögel stellt sich die Situation ähnlich dar. Nicht nur Nashörner und Schneeleoparden zählen zu den aussterbenden Tieren. Wenn sich die Situation so weiter entwickelt dürfen wir auch Amsel, Drossel, Fink und Star bald nur noch im Museum antreffen.

Was kannst DU tun?

Nun, den größten Einfluss, den man als Einzelperson auf die Industrialisierung der Landwirtschaft nehmen kann, ist das Verhalten als Konsument/Verbraucher. Hier wäre die Reduzierung des Fleischkonsums eine Möglichkeit. Vögel zu füttern ist sicherlich auch sehr sinnvoll, bekämpft jedoch nicht die Ursachen, sondern nur die Auswirkung des Insektensterbens.

Hilfreich ist, wenn Du hilfst die Lebensgrundlagen für die Insekten zu erhalten. Das muss kein Großprojekt sein, im Gegenteil. Viele kleine "wilde Ecken" im eigenen Garten, die mit einheimischen Blühpflanzen bepflanzt sind helfen viel. Interessant sind hier auch wilde Möhre, Borretsch, Thymian, Lavendel und Sommerflieder.

Wenn Du in der Stadt lebst kannst Du Dir "Samenbomben" besorgen, die einheimische Blumenmischungen enthalten. Säe diese auf Wegrändern, in Blumenkästen, in öffentlichen Parks oder am Straßenrand aus. Alle Arten von Flächen bieten sich an, Wildblumen zu pflanzen: Flachdächer ebenso wie Hausfassaden.

Für Bienen und Hummeln eignen sich: Akelei; Besenheide wie Blutweiderich, Dost wie Flocken- und Glockenblumen, Gänseblümchen, aber auch Grasnelke, Greiskraut oder Günsel, außerdem Heidekraut, Herbstzeitlose und Johannisapfel, diverse Kleesorten, die Königskerze, das Leinkraut, Minze in allen blühenden Varianten, Schafgarbe, dazu Schlehe, Schlüsselblume und Sommerflieder wie Seifenkraut und Stechginster; auch Thymian, Weide, Weidenröschen und Zitronenmelisse bieten den Tieren beste Nahrung.

Und warum soll ich ein Insektenhotel bauen?

Nun hängt das Leben der Insekten, wie das der meisten Tiere, nicht nur davon ab, dass sie in den Sommermonaten genug Nahrung finden, sondern auch, dass sie die Wintermonate gut, ungestört und geschützt überwintern können. Auch hier fehlt es durch die monotone "Kultur-"Landwirtschaft zunehmend an geeigneten Orten für ein Winterquartier. Aber nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten suchen Solitär-Bienen, Hummeln und viele andere Insekten nach geeigneten Wohnungen und teilen sich das Leid vieler Menschen in den Großstädten, gute Wohnungen sind knapp.

Genau hier kann mit Insektenhotels Abhilfe geschaffen werden. Du musst sie aber nicht teuer im Baumarkt oder Gartencenter kaufen. Sie sind sehr einfach selber herzustellen. Im Internet findest Du zahlreiche Einleitungen dazu. Hier eine Empfehlung: Nützlingshotels aus Dosen bauen

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Wenn Du Kinder hast, nimm Dir die Zeit um mit Ihnen gemeinsam ein Insektenhotel zu bauen. Du schenkst Deinen Kindern nicht nur etwas was für sie immens wichtig ist, gemeinsame Zeit. Du förderst auch ihr Umweltbewusstsein und es macht ihnen einen Heidenspaß.

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